Kennst du das, wenn der ganze Tag an dir vorbeirauscht? Wenn du am Abend denkst: „Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Damit bist du nicht allein, vielen Menschen geht es so. Das hat oft gar nicht damit zu tun, dass du wenig getan hättest, sondern eher damit, dass du nicht wirklich achtsam im Alltag warst. Häufig spiegeln uns andere Menschen diesen Mangel an Achtsamkeit. Etwa dann, wenn dir jemand etwas erzählt und du dich ein paar Stunden später schon nicht mehr daran erinnern kannst. Aber woran liegt das?

Warum wir den Alltag oft nicht wirklich erleben

Im Alltag werden wir mit sehr vielen Dingen gleichzeitig konfrontiert: Handy, E-Mail, Nachrichten, Social Media und so weiter. Wenn du dich darauf einlässt, tauchst du jedes Mal in eine andere Energie ab. Stell dir vor, du bist richtig gut gelaunt und schaust dann aufs Handy, während dir jemand etwas Ernstes oder Unangenehmes schreibt. Du bist sofort abgelenkt, wirst mit deiner Aufmerksamkeit dort hineingesaugt und bist nicht mehr achtsam bei dem, was du eigentlich gerade tun wolltest. Aus energetischer Sicht macht das auch etwas mit deinem Körperenergiefeld, es schwächt es eher und vermiest dir womöglich die Laune.

Eine Übung: Mach die Dinge bewusst langsam

Wie kannst du damit besser umgehen und mehr Achtsamkeit im Alltag entwickeln? Dafür stelle ich dir eine Übung vor, die ich selbst häufig praktiziere, wenn ich merke, dass ich gerade hektisch und unachtsam unterwegs bin. Mir persönlich hilft sie sehr.

Mach die Dinge einmal ganz bewusst sehr langsam. Stell dir dabei vor, du wärst eine 80- oder 90-jährige Oma oder ein Opa. Wie würdest du dann die Dinge erledigen? Wahrscheinlich viel langsamer, achtsamer und bedachter. Du würdest dich ruhiger bewegen, die Dinge vorsichtiger in die Hand nehmen, dich nicht hetzen lassen und immer nur eine Sache gleichzeitig machen. Das klingt vielleicht etwas komisch, aber probiere es einmal aus und schau, was es mit dir macht.

Lass die Dinge auch mal geschehen

Und lass die Dinge im Alltag einfach mal geschehen. Vertraue dem Leben, dem Universum, Gott, wie auch immer du es nennen magst.

Vielleicht kennst du das: Jemand sagt dir spontan ein Treffen ab, du kommst irgendwo zu spät an oder verfährst dich. Oft ärgern wir uns dann, fühlen uns gestresst und werden unachtsam. Schneller ans Ziel kommen wir dadurch trotzdem nicht. Mein Rat: Nimm die Umstände einfach an und vertraue darauf, dass diese Dinge aus einem guten Grund geschehen.

Halte dabei die Augen offen, nach dem „Warum". Vielleicht hätte dir die Person, die abgesagt hat, an diesem Tag gar nicht gutgetan. Vielleicht hast du eigentlich mal etwas Zeit für dich gebraucht und es selbst nicht bemerkt. Vielleicht begegnest du durch deine Verspätung einem besonderen Menschen. Wüssten wir, was sonst passiert wäre, würden wir uns wohl viel eher auf den Moment einlassen, statt uns zu ärgern. Die „Geschenke" erkennen wir meistens erst etwas später.

Sag innerlich „Stopp"

Vielleicht spürst du die Anspannung und den Stress in solchen Situationen in deinem Körper. Bevor du reagierst, sag dir innerlich „Stopp" und frag dich, ob diese Reaktion dich gerade weiterbringt. An der Situation selbst kannst du meistens ohnehin nicht viel ändern, also bringt es dir auch nichts, dich darüber zu ärgern. Mach die Dinge dann bewusst langsam, mit Ruhe und Achtsamkeit, und entschleunige die ganze Situation.

Es geht um bewusstes Sein

Bei dem Ganzen geht es vor allem um Bewusstsein, also um bewusstes Sein. Darum, dass du dir bewusst bist, was du gerade tust und wie du dich dabei fühlst.

Auch dafür habe ich eine einfache, aber wirkungsvolle Übung für dich: Mach dir bewusst, was du gerade tust. Wenn du zum Beispiel Auto fährst, beobachte alles ganz bewusst. Fass das Lenkrad achtsam an, fühle, wie es sich anfühlt, und sag dir innerlich: „Ich fahre jetzt Auto." Mach das, was du gerade tust, so gut, konzentriert und achtsam wie möglich. Dann bist du bewusst im Hier und Jetzt.

Häufig sind wir verleitet, viele Dinge gleichzeitig zu machen und nebenbei beim Fahren noch aufs Handy zu schauen, was natürlich ohnehin gefährlich ist. Beim Autofahren gehen wir oft automatisch ins Unterbewusstsein über: dieselben gewohnten Abläufe, die gleiche Strecke, kaum neue Eindrücke. Versuch deshalb wirklich mal, im Hier und Jetzt bewusst und achtsam zu fahren und alles wahrzunehmen, was du im Auto anfasst und draußen siehst, natürlich immer mit dem Fokus auf den Verkehr.

Übertrag es auf deinen ganzen Alltag

Diese Übung kannst du nicht nur beim Autofahren anwenden, sondern auf alles übertragen: beim Essen, Fahrradfahren, Brotschmieren, Staubsaugen, Spazieren oder beim Sport. Versuch die Dinge wirklich ganz bewusst und achtsam zu tun. Sei ganz bei dem, was du gerade machst, ohne dabei in Gedanken an Morgen oder Nachher abzurutschen.

Auch wenn du jetzt vielleicht denkst „Was für ein Schwachsinn, das ist nichts für mich" – probier es einfach mal aus. Du wirst merken, dass du dich wieder viel mehr mit dir selbst verbindest und bewusster mit dir und deinem Umfeld umgehst. So passieren dir bestimmt auch weniger Dinge, über die du dich ärgerst. Du verpasst die Ausfahrt nicht mehr, dir fällt weniger herunter, und du merkst schneller, wann für dich der Punkt ist, „Stopp" zu sagen oder dir Zeit für dich zu nehmen. Und ganz nebenbei entwickelst du neben mehr Achtsamkeit auch mehr Selbstliebe.